Romane

Insel der verlorenen Erinnerung von Yoko Ogawa

Stellt euch vor, es würde ständig etwas verschwinden. Was würdet ihr am meisten vermissen? Auf einer Insel verschwinden Dinge. Es gibt keine Vögel mehr, auch keine Glocken, keine Rosen und es verschwindet immer mehr. Doch nicht nur die Dinge verschwinden sondern auch die Erinnerung daran.

Inhalt:

Die Protagonistin ist Schriftstellerin und schreibt Bücher über den Verlust, denn sie ist der Meinung, das ist das was die Menschen interessiert. Schließlich verlieren die Bewohner der Insel ständig Dinge. Allerdings vergessen sie diese auch. Bis auf wenige, die sich noch immer an alles erinnern, wie die Mutter der Protagonistin. Diese sind für die Erinnerungs Polizei ein Dorn im Auge. Auch diese Menschen verschwinden.

Meine Meinung:

Als ich das Cover zum ersten Mal gesehen habe, war mein Interesse sofort geweckt, auch der Klappentext hat mich sehr neugierig gemacht. Allerdings konnte ich mir noch nicht so wirklich verstehen, wie die Dinge verschwinden. Was verschwindet? Wieso verschwinden die Dinge? Und warum wehren sich die Leute nicht ?

Ich habe eine Art dystopische Geschichte erwartet, doch ich hätte nie damit gerechnet, dass diese Parabel mich so berühren und positiv überraschen wird.

Von dem Schreibstil bin ich schlichtweg begeistert. Es ist sehr besonders, poetisch und trifft einen, zumindest mich, mitten ins Herz. Ich hatte das Gefühl, ich bin die Protagonistin und konnte all ihre Gefühle, ihre Verzweiflung, ihre Angst, die Trauer, die Verwirrung spüren.

Darüberhinaus erinnert dieses Buch den Leser daran, wie wichtig Freiheit ist und wie schnell man diese langsam aber sicher verlieren kann. Dieser schleichende Weg zum Verlust der Freiheit, hat mich teilweise erschüttert. Ich habe öfters gegrübelt und manche Situation mit den Geschehnissen in der Ukraine, Syrien und Weißrussland verglichen. Durch Corona wissen wir mittlerweile ein wenig wie es ist auf manche Dinge verzichten zu müssen. Doch was ist, wenn es immer so wäre und man immer mehr verzichten müsste? Allerdings ist die Angst größer all diese Dinge zu vergessen, denn wenn man sie vergisst, kann man sich auch nicht vermissen. Je mehr Dinge die Menschen verlieren, desto mehr Erinnerungen verlieren sie auch. So dass am Ende fast nichts mehr übrig bleibt. Ich finde Erinnerungen wahnsinnig wichtig und gehören zu uns dazu und machen uns aus. Der Gedanke, immer weniger Erinnerungen zu haben macht mich wahnsinnig traurig.

In meinen Augen ist dieses Buch ein wahres Meisterwerk.

Es war mein erstes Buch von Yoko Ogawa und ich mache mich jetzt schon auf die Suche nach anderen Büchern von ihr. Denn ich brauche mehr, viel mehr.

Deswegen vergebe ich selbst verständlich fünf von fünf Eulen für dieses außergewöhnliche und geniale Werk.

🦉🦉🦉🦉🦉

International:

In Japan ist dieses Buch bereits in 1994 erschienen. Es ist fast eine Unverschämtheit, dass es so lange gebracht , bis es in Europa bekannt wurde und endlich übersetzt wurde. Andererseits bin ich froh, dass es entdeckt wurde und von Sabine Mangold ins Deutsche übersetzt wurde. Ich kann kein Japanisch und habe großen Respekt vor jeder Übersetzung, weil ich selbst weiß wie viel Arbeit es ist. Jedoch dieses Buch zu übersetzen, ist ein Meisterwerk und gleichzeitig ein Kunststück, denn der Schreibstil ist so poetisch und besonders. Mit der englischen Ausgabe wurde die Autorin, wie ich finde verdient, für den National Book Award und den International Booker Prize nominiert. Wenn es nach mir ginge, würde dieses Buch alle Literaturpreise die es gibt bekommen, denn es wäre mehr als verdient.

Mehr Informationen zum Buch:

„Insel der verlorenen Erinnerung“ ist bei Liebeskind erschienen. Es besteht aus 352 Seiten und ist für 22 Euro erhältlich.

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